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ELISABETH HARNIK & UDO SCHINDLER

EMPTY PIGOENHOLE

Creative Sources Recordings cs247cd

Elisabeth Harnik    piano

Udo Schindler        soprano saxophone, bass & contrabass clarinet, cornet

 

Ganz toll! Von grosser Klarheit in der Wahl der klanglichen Mittel, in den formalen Abschnitten und im Zusammenspiel! Mir gefällt das Klavierspiel von Elisabeth sehr, und ihr Spiel im Flügelinnern passt wunderbar mit deinen Klängen zusammen oder umgekehrt. Gratulation!

Katharina Weber (Schindler & Weber – spielzeit  atemzeit  horizontzeit / unit rec. UTR4484)

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SCHINDLERS SALON 

Seit 2009 lädt UDO SCHINDLER in die Bergstraße 28c in Krailing, in seinen Salon für Klang & Kunst. Sebastiano Tramontana hat sich da schon eingefunden, Frank Gratkow­ski und Hubert Bergmann. Der hat dabei ebenso das Pleyel-Piano bespielt (#13) wie Hans Poppel (#21) und Claudia Ulla Binder (#40). Dieses Piano ist also eine feste Größe bei den Salon-Begegnungen, von denen nun #28 (27.07.12) als Spielzeit Atemzeit Hori­zontzeit (Unit Records, UTR 4484) mit KATHARINA WEBER nachhörbar ist. …

Auch Salon #30 (26.10.12) mit ELISABETH HARNIK wird nun als Empty Pigeonhole (Creative Sources, cs 247) präsentiert. Wie dabei ein Radprofi in den Taubenschlag kommt, ist mir freilich ein Rätsel. Liesl Harnik ist mir gerade erst mit dem Barcode Quartet als eine der Freistil-Damn untergekommen, ihre Einspielung mit dem Wild Chamber Trio ist bei Not Two erschienen. Dass ihr weder Kammer noch Taubenschlag als Spielraum genügt, verrät schon das ‚wild‘. Von den ersten Tönen an werden extented techniques ausgereizt. Sie harfend, schleifend, glissandierend, rumorend mehr im als am Klavier, er fiepend und züllend, in sopranistischer Erratik, in zitternder, schillernder Schieflage. Mit gurrendem Zungenbeben und kontrabassgründelnd er, sie mit raunen­dem Saitenbeben und träumerisch gongenden Anschlägen. Sie mit tonarm klappiger Präparation, er mit sonorem Geröhre, dem sie sich nun klangvoll zuneigt. Bis er nur noch kräht, während sie schwelgerisch arpeggierend aufsteigt und die Action eine zeitlang allein bestreitet. Schindler springt ihr aber mit dem Kornett wieder bei, während sie klingelnd absteigt. Er gepresst und schnarrend, ploppend und züngelnd, sie hell irrlich­ternd, sprunghaft huschend und flirrend. Zweiter Set: Sie ratscht und federt, er klappert und schnaubt. Krimskrams und Spieluhr – Impression: Dämmerung. Sie funkelt, klingelt, pickt, klopft, er flötet dunkel, girrt, heult und murrt als seltsamer Nachtvogel. Lange geht das so, bis ploppend und aleatorisch tropfend Bewegung ins Spiel zu kommen beginnt. Ein intuitives Pianonotturno, in das Schindler erst dröhnend, dann mit Sopranogequirle einfällt, während Harnik im Bassregister wühlt. Sie rifft krabbelig, er keckert und schrillt, beide inzwischen mit harmonischen Bezügen in ihrer Motorik und Bruitistik. Die finalen Akzente setzt Schindler mit bassklarinettistischen Bocksprüngen, Harnik mit Bassge­wühl, das langsam ausloopt. Stark, bis zur n-ten Potenz.

[BA 79 rbd] Rigobert Dittmann

 

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SCHINDLER / WEBER

spielzeit atemzeit horizontzeit

Unit / unitrecords.com

Udo Schindler (cl, bcl, cbcl, ss, cornet), Katharina Weber (p)

 

SCHINDLER / HARNIK

empty pigeonhole

creative sources / creativesourcesrec.com

Udo Schindler (cl, bcl, cbcl, ss, cornet), Elisabeth Harnik (p)

 

Etwa einmal im Monat lädt der Architekt und Blasmusiker Udo Schindler sich ausgewählte Gäste in sein Haus in Krailling nahe München, namentlich in den Salon für Klang + Kunst (siehe freiStil #33). So finden sich auf Schindlers Liste Koryphäen wie etwa Katharina Klement, Frank Gratkowski, Manon-Liu Winter, Harald Lillmeyer oder Cordula Bösze. Die Spielregel besagt, dass Schindler immer selbst mit seinen Gästen musiziert. Zwei davon, beides Pianistinnen, haben ihn dazu angeregt, die Livesituation auf CD zu dokumentieren. Weitere sollen folgen. Auf Unit Records erschien soeben sein Duo mit Katharina Weber. Hoch hängt der Standard dieses modernen Jazz, der oft unvermutet Fenster öffnet, die den Blick auf freies Gelände gewähren. Katharina Webers Musik, verkündet das Intakt-Label, „bewegt sich in der großen Welt der heutigen Musik, in der Grenzen nicht mehr existieren und Neue Musik und Jazzimprovisation verschmelzen.“ Nicht von ungefähr outete sich Fred Frith als Weber-Fan.

Noch wesentlich weiter von herkömmlichen Klavier-Klarinette-Duospielweisen entfernt sich Schindler mit bzw. dank Elisabeth Harnik auf empty pingeonhole (gemeint ist wohl pigeonhole = Schublade; Anm.) des Lissaboner creative sources-Labels. Bis weit hinein ins Material, in den Klangkörper, ins Innerste der Musik und an die Quellen ihrer Herstellung reicht diese fulminante Interaktion. Harnik frappiert am und im Klavier durch hörbare Lust am Risiko, extreme Wendigkeit und durch die Wechselwirkung des kräftigen und des flüchtigen Anschlags; Schindler folgt ihren Spuren und Hakenschlägen mühelos und evoziert seinerseits inspirierende Temperamente. Kurz, wir erleben hier nichts weniger als eine Sternstunde der Duokunst, die den Weg von Bayern über die Schweiz und Portugal bis hinein in die offenen Ohren diesseits und jenseits des Weißwurstäquators zurücklegt. (felix)

freistil #52 (Austria)     Andreas Fellinger

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AMN Reviews: Udo Schindler & Elisabeth Harnik: Empty Pigeonhole [cs247]

Since 2009, the German multi-wind player Udo Schindler has held monthly concerts at his home. The concert of 26 October 2012, pairing Schindler with Austrian pianist Elisabeth Harnik, is presented in this intriguing, multi-faceted release.

The title of the CD is well-chosen. The music that takes shape across these two long tracks doesn’t fit into the constraints of any stylistic pigeonhole. And this comes as no surprise: Both musicians are notably versatile in their choices of sounds and in the ways that they bind together and respond to the different moments in which they find themselves. Harnik makes use of every part of the piano, whether by tapping and rattling directly on the strings or wood, phrasing in ecstatic leaps of interval and dynamic, or putting out cascades of notes in measured motion upward and downward. Schindler, for his part, moves adeptly from soprano saxophone to bass clarinet to contrabass clarinet to cornet, at times functioning as the soloist in a sonata and at other times as a weaver of esoteric sound textures. Empty Pigeonhole Part 1 moves with a paradoxically emotional logic from section to section, each of which is defined by a mood as well as by instrumental color and the blend of conventional and unconventional technique that both players offer. Empty Pigeonhole Part 2 is more about texture and color as manifested by the exploration of primal sound elements, though it is expansive enough to include an explosive soprano sax solo over a piano pedal point.

advantmusic by dbarbiero / 23.12.2013

 

AMN Reviews: Udo Schindler & Elisabeth Harnik: Empty Pigeonhole [cs247]

Seit 2009 veranstaltet der deutsche Multiinstrumentalist Udo Schindler monatliche Konzerte in seinem Haus. Diese interessante, facettenreiche Veröffentlichung präsentiert das Konzert vom 26. Oktober 2012, das Schindler mit der österreichischen Pianistin Elisabeth Harnik zusammenführte.

Der Titel der CD ist passend ausgesucht. Die Musik, die auf diesen beiden langen Stücken Gestalt annimmt, gehorcht nicht den Zwängen einer bestimmten stilistischen Schublade (= pigeonhole). Und das ist auch keine Überraschung: Beide MusikerInnen zeigen sich äußerst vielseitig in der Wahl ihrer Klänge und der Ansätze, mit denen sie sich verbinden und aus dem Moment heraus aufeinander reagieren. Harnik benutzt jeden Teil des Klaviers, sei es durch direktes Klopfen und Klappern an den Saiten, durch ekstatische Intervall- und Dynamiksprünge oder durch Tonkaskaden, die sich in gemessenem Tempo nach oben oder unten bewegen. Schindler hingegen fungiert im behänden Wechsel zwischen Sopransaxophon, Bassklarinette, Kontrabassklarinette und Kornett manchmal als Solist in einer Sonate, manchmal als Weber esoterischer Klangtexturen. Empty Pigeonhole part 1 bewegt sich mit paradoxer emotionaler Logik von einem Abschnitt zum nächsten, die jeweils geprägt sind von einer Stimmung sowie von instrumentalen Farben und der von beiden Spielern angewandten Mischung aus konventioneller und unkonventioneller Technik. In Empty Pigeonhole part 2 geht es mehr um Textur und Farbe, die aus der Erforschung von Urlauten entstehen, doch das Stück bietet auch Raum für ein explosives Sopransaxophonsolo über einem Orgelpunkt des Pianos.

advantmusic by dbarbiero / 23.12.2013

 

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Elisabeth Harnik & Udo Schindler – Empty Pigeonhole (Creative Sources, 2013) ****

Elisabeth Harnik plays piano and Udo Schindler plays bass clarinet, contrabass clarinet, soprano saxophone and cornet, in a strange but always fascinating dialogue, starting with hesitating explorations of empty space, changing into confident and fully voiced piano which fades away for quiet moaning clarinet.

Sounds are fragile and shifting, played cautiously in different ways by the same instruments, in long stretched phrases, or in percussive plucking, and then contrasted by the original and full-blown sound of either piano or clarinet, offering a moment of recognition and home-coming, yet even then the deep emotions expressed keep their sense of agony and distress, and the first long piece ends at full volume, with the cornet and the piano interacting nervously and agitatedly.

The second track is more homogeneous, with the clarinet taking the first part as the lead instrument, with the piano being plucked sparingly and lightly to accentuate, yet the mood shifts in the second part, when the piano takes the lead, coercing the clarinet into a more intense dialogue, with higher density of the sounds, becoming more frenetic as it develops, with maddening phrases played by Harnik, with a slightly shifting and halting repetitive pattern that completely drowns the clarinet at first until it gets a second breath.

This album will not be for everybody’s ears, but the quality and the variety of the improvisation is sufficient to make this fascinating music that you will want to listen to again.

A great listening experience.

28.12.2013 / The Free Jazz Collectice / stef

 

Elisabeth Harnik & Udo Schindler – Empty Pigeonhole (Creative Sources, 2013)

Zwischen Elisabeth Harnik auf dem Klavier und Udo Schindler auf Bassklarinette, Kontrabassklarinette, Sopransaxophon und Kornett entspinnt sich ein eigenwilliger, stets faszinierender Dialog, der mit der zögernden Erforschung des leeren Raums beginnt, sich allmählich zu einem selbstbewussten, volltönenden Klavierspiel steigert und mit dem leisen Klagen der Klarinette verklingt.

Auf fragile und wechselhafte Klänge, die einmal in langen, ausgedehnten Phrasen, das andere Mal in perkussivem Zupfen vorsichtig von den gleichen Instrumenten gespielt werden, folgt der ursprüngliche, komplette Klang des Klaviers und der Klarinette, der einen Augenblick des Wiedererkennens und der Heimkehr bietet. Doch selbst dann verliert der beherrschende Ausdruck von Qual und Verzweiflung nichts von seiner Tiefe. Schließlich endet das erste lange Stück in hoher Lautstärke mit einer nervösen, hektischen Interaktion zwischen Kornett und Piano.

Der zweite Track ist homogener. Im ersten Teil steht die Klarinette im Vordergrund, begleitet von sparsam und leicht gezupften Klavierakzenten. Im zweiten Abschnitt ändert sich die Stimmung, das Klavier übernimmt die Führungsrolle und zwingt die Klarinette zu einem intensiven Dialog mit höherer Klangdichte. Allmählich wird das Geschehen frenetischer, und Harniks aufreizende Phrasen, die einem leicht veränderlichen, stockend repetitiven Muster folgen, übertönen die Klarinette völlig, bis diese schließlich ihren zweiten Atem findet.

Dieses Album ist sicher nicht jedermanns Sache, aber wer einmal Zugang zu dieser abwechslungsreich und raffiniert improvisierten Musik gefunden hat, wird sich immer wieder mit ihr auseinandersetzen wollen.

Ein großartiges Hörerlebnis.

28.12.2013 / The Free Jazz Collectice / stef

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Udo Schindler & Katharina Weber

Spielzeit AtemzeitHorizontzeit, Unit Records UTR 4484

 

Elisabeth Harnik & Udo Schindler

Empty Pigeonhole, Creative Sources 247 CD

 

Dedicated to promoting improvised music in and around his hometown of Krailling near Munich, multi-instrumentalist Udo Schindler presents monthly home concerts throughout the year. Recorded three months apart in the same location, with the exact same instrumentation, Empty Pigeonhole and Spielzeit Atemzeit Horizontzeit are eloquent testimonies to the unprecedented plasticity of experimental sounds. Spielzeit Atemzeit Horizontzeit, which translates as “Game time breathing time horizon time” was recorded with Swiss pianist Katharina Weber and consists of nine short, but inter-related improvisations. The other CD, with Austrian pianist Elisabeth Harnik, is in two sequences of about 25 minutes each. Schindler, whose day job is as an architect, plays cornet, soprano saxophone, bass and contrabass clarinets on both dates.

Although she has played Free Music with the likes of guitarists Fred Frith and bassist Barry Guy, Bern-native Weber spends much of her time working with notated composers and chamber ensembles. Because of this her technically perfect ripostes don’t seem as warm or communicative as Harnik’s. More compelling, the clearer contributions from Gams-based Harnik lock tongue-in-groove with Schindler’s contributions. While Schindler’s unexpected smears of sound plus brittle striations quickly dispense with any clichés about architectural organization in his playing, the Austrian pianist’s varied experience may account for the creation of a more comfortable sonic zone. Harnik has duetted with saxophonists such as Dave Rempis and Gianni Mimmo, as well as playing in a regularly constituted combo with violinist Allison Blunt, vocalist Annette Giesriegl and drummer Josef Klammer.

During the course of Empty Pigeonhole’s improvisations any vocalized or percussive inferences created come from Schindler’s horn collection or Harnik’s underground mining of her instrument’s lowest reaches near the backboard and capotes. As well her harpsichord-like strums plus vibrations on the internal string set provide an equivalent amount of fiddle-like strokes for the program. Essentially the initial narrative features the pianist using key jujutsu to construct a concentrated carpet of shaded and bouncing notes or methodically stopping the keys in response to, or presaging, Schindler’s multi-horn strategy. During the course of “Empty Pigeonhole Part I” bites, yelps and tongue slaps emanate from the higher-pitched reeds, while Schindler use whiny brass farts or stentorian contrabass clarinet smears less frequently to asset his individuality. Creative resolution of segmented parts arises midway through the second track following detached sequences which are more solo with accompaniment than duets. Metaphorically rescuing timbres from desert island isolation, Schindler’s soprano saxophone slurs and Harnik’s rolling tremolo bond in an all-consuming cry of victory. Numbered and named individually, but actually flowing into one another, the Weber duets appear more coldly calibrated on the pianist’s part. Sounding at first as if she’s sight reading her part, even to the extent of suggesting Middle European romanticism on “Geflüster Der Wurzelstöcke”, Weber only begins to loosen up enough to pluck basement-dwelling notes after Schindler begins shattering her keyboard composure with brays and squeaks. Tongue slapping and a vertical keyboard exposition reach a climax of aggressive vamps and extensions on “Der Schwarzdornderwisch Test Die Flügel”. Alternating between harp-like dancing string shuffles and powerful percussive echoes that set the soundboard ringing, Weber’s least constrained playing creates an equivalent unfettered response from Schindler, who by the stirring conclusion is stretching out the partials from all his tones. Miraculously at the same time, these extended snorts and shrills slide out the proper harmonies to bond with Weber. From that point on the sometime racing banshee-like wails from woodwind or brass mouthpieces are smoothed into connective chording the pianist.

While the end result of both these piano-horn duets is almost equally acceptable, the strategies expressed by Harnik-Schindler make that journey all that more bracing.

Ken Waxman – Jazzword, July 27, 2014

Track Listing: Empty: 1. Empty Pigeonhole Part I 2. Empty Pigeonhole Part II

Personnel: Empty: Udo Schindler (cornet, soprano saxophone, bass and contrabass clarinets) and Elisabeth Harnik (piano)

 

Track Listing: Spielzeit: 1. Und Ausreisstöne Sprechversuche 2. Der Schleier Der Seitentöne 3.

Wetterlagen Am Fistelgebirge 4 Geflüster Der Wurzelstöcke 5. Hoch Geschoben Ein Stirnhöhlenpochen 6. Sperrgebiet Aus Windkeilen Und Pilzringen 7. Der Schwarzdornderwisch Test Die Flügel 8. Am Rüttelkarst Lärmstimmig 9. Über Zitternden Langschatten

Personnel: Spielzeit: Udo Schindler (cornet, soprano saxophone, bass and contrabass clarinets) and Katharina Weber (piano)

 

 

Udo Schindler & Katharina Weber

Spielzeit AtemzeitHorizontzeit, Unit Records UTR 4484

Elisabeth Harnik & Udo Schindler

Empty Pigeonhole, Creative Sources 247 CD

 

Zur Förderung improvisierter Musik in seinem Wohnort Krailling bei München veranstaltet der Multiinstrumentalist Udo Schindler das ganze Jahr über monatliche Hauskonzerte. Empty Pigeonhole und Spielzeit Atemzeit Horizontzeit wurden in einem Abstand von drei Monaten mit exakt der gleichen Instrumentierung aufgenommen. Beide Alben sind ein beredtes Zeugnis für die unglaubliche Elastizität dieser Musikform. Spielzeit Atemzeit Horizontzeit dokumentiert das Zusammenspiel mit der Schweizer Pianistin Katharina Weber und besteht aus neun kurzen, miteinander verbundenen Improvisationen. Die andere CD mit der österreichischen Pianistin Elisabeth Harnik setzt sich aus zwei Sequenzen von jeweils rund 25 Minuten Länge zusammen. Schindler, der als Architekt sein Geld verdient, spielt auf beiden Aufnahmen Kornett, Sopransaxophon, Bass- und Kontrabassklarinette.

Die Bernerin Katharina Weber hat zwar Erfahrung im Zusammenspiel mit Musikern wie dem Gitarristen Fred Frith und dem Bassisten Barry Guy, doch sie arbeitet meistens mit Komponisten Neuer Musik und Kammerensembles. Wohl aus diesem Grund wirken ihre technisch perfekten Repliken nicht so warm und kommunikativ wie die Harniks. Die Beiträge der im steirischen Gams wohnenden Pianistin fließen leichter und zwingender mit denen Schindlers zusammen. Während Schindler in seinem Spiel mit unverhofften Klangschlieren und brüchigen Tupfern rasch auf alle Klischees architektonischer Organisation verzichtet, baut die Österreicherin eine etwas komfortablere Klangzone auf, was vielleicht auf ihre sehr verschiedenartigen Erfahrungen zurückzuführen ist. Sie hat im Duo mit Saxophonisten wie Dave Rempis und Gianni Mimmo gespielt und ist Teil einer festen Gruppe mit der Geigerin Alison Blunt, der Vokalistin Annette Giesriegl und dem Schlagzeuger Josef Klammer.

Alle vokalisierten oder perkussiven Passagen, die in Empty Pigeonhole zu hören sind, gehen zurück auf Schindlers Hornkollektion oder auf Harniks Expeditionen im Bauch ihres Instruments. Nicht weniger bedeutend für den Ablauf sind cembalo- und geigenartige Klänge, die durch Vibration der Innensaiten entstehen. Zu Beginn des Programms nutzt die Pianistin Tasten-Jiujitsu, um einen dichten Teppich aus abgestuften und hüpfenden Tönen zu erzeugen, oder sie unterbricht ihr Spiel auf methodische Weise, um Schindlers Einwürfe zu beantworten oder vorwegzunehmen. Im Verlauf von „Empty Pigeonhole Part I“ kommen aus den höheren Holzblasinstrumenten Schnarr-, Keif- und Schnapplaute. Seltener greift Schindler auf jaulende Blechfürze und robustes Röhren der Kontrabassklarinette zurück. Nach unverbundenen Sequenzen, die mehr Solo mit Begleitung sind als Duo, findet Getrenntes ab der Hälfte des zweiten Tracks auf kreative Weise zusammen. In einer metaphorischen Rettungsaktion für verirrte Klangfarben verbinden sich Schindlers Sopransaxophongeheul und Harniks donnerndes Tremolo zu einem alles verschlingenden Siegesschrei.

Die individuell nummerierten und benannten, aber ineinanderfließenden Duos mit Weber scheinen zumindest vonseiten der Pianistin kälter kalibriert. Zunächst klingt sie, als würde sie vom Blatt spielen, und deutet auf „Geflüster der Wurzelstöcke“ sogar romantische Töne an. Erst als Schindler sie mit Kreischen und Quieken aus der Tastenreserve lockt, fängt sie an, tiefe Kellertöne zu produzieren. Auf „Der Schwarzdornderwisch testet die Flügel“ münden Zungenflattern und vertikaler Keyboardansatz in einen Höhepunkt aggressiver Vamps und Ausläufer. Als Weber abwechselnd mit harfenähnlichen Saitentänzen und mit kräftigen Schlägen, die den Resonanzboden zum Klirren bringen, endgültig ihre Zurückhaltung ablegt, reagiert Schindler ebenso entfesselt und zieht seine Teiltöne immer stärker in die Länge. Wie durch ein Wunder schälen sich aus diesen gedehnten Schnaub- und Kreischlauten genau die richtigen Harmonien heraus, die den Kontakt zu Weber herstellen. Ab diesem Punkt wird das bisweilen rasende Geheul der Blasinstrumente mit verbindenden Akkorden der Pianistin beschwichtigt. Letzten Endes bewegen sich diese beiden Bläser/Klavier-Duos fast auf gleichem Niveau, doch die Strategien von Schindler-Harnik wirken vielleicht um einen Tick erfrischender.

Ken Waxman – Jazzword, 27. July 2014

 

 

 

Elisabeth Harnik & Udo Schindler: Empty Pigeonhole

Artist: Elisabeth Harnik & Udo Schindler (@)
Title: Empty Pigeonhole
Label: 
Creative Sources (@)
Rated: 

Schindler’s list of appreciated musicians from international improv scene gets longer and longer. I’m not referring to Oskar Schindler, the notorious German businessman who saved a lot of Polish-Jewish people, whose biography became the plot for a likewise notorious Spielberg’s movie, but to Udo Schindler, a sort of contemporary patron who hosts concerts in his own house in Krailling, a small town just outside Munich, together with talented musicians and composers of mainly free-jazz and improvisational scene every now and then that he titled Salon fur Klang + Kunst. „Empty Pigeonhole“ is the first of a planned series of releases, where he recorded a live performance where he demonstrates his ability and versatility with different wind instruments (soprano saxophone, bass and contrabass clarinet, cornet) together with brilliant Austrian pianist and composer Elisabeth Harnik on a Pleyel piano. The most remarkable aspect of the two long sessions is the reciprocal understanding of the two musicians, but whereas Harnik’s piano haul Udo’s winds in the first piece by means of wonderful harmonic mutation where a Chopin-like melody could suddenly turn into a tangle of seemingly dissonant chords and winds splendidly echo and comply with whims on Pleyel with the nervous musical squabble between piano and cornet in the final minutes, the second track opens with flickering sonic objects and piano stings and proceeds over a sort of battle between clarinet and piano in order to lead the session, where the initial supremacy of clarinet got overwhelmed by crazy phrasing from Elizabeth’s Pleyel which manages to downgrade clarinet to a dead beat breathe.

 

Chain D.L.K. (Vito Camarretta) –  14. Aug. 2014

 

Udo Schindlers Duos

Udo Schindler lebt und arbeitet im Münchner Umland. Am Tag als Architekt, des Nachts als Musiker? Nein, ganz so klar lassen sich seine beiden Tätigkeiten sicher nicht voneinander trennen. Das eine bereichert (fast zwangsläufig) das andere. Und umgekehrt. Arthur Schopenhauer wird in den abgedruckten Liner Notes der CD „Sounding Dialectis“ mit den Worten zitiert: „Architektur ist gefrorene Musik“. Zugleich ist ebene Schindler auch eine Art Klangarchitekt, der im doppelten Sinn Klangräume schafft und diese musikalisch zusammenbringt. Musik aus dem Augenblick – für die Ewigkeit. Ein Baumeister der Töne sozusagen, wobei er sich als Saxophonist, Klarinettist, Kornettbläser und vor allem als Duopartner präsentiert.

Duoarbeit bedeutet für Schindler die spontane künstlerische Kommunikation im kleinsten gruppendynamischen Sektor. Das Unvorhergesehene ist bei ihm in der Regel, das Klavier jenes Instrument, das in der Gunst der Auseinandersetzung weit vorne steht. Auf den vorliegenden Alben arbeitet er mit der Schweizerin Katharina Weber (Spielzeit.Atemzeit.Horizontzeit“ Unit UTR 4484) sowie den beiden aus Österreich stammenden Pianistinnen Elisabeth Harnik („Empty Pingeonhole“ Creative Sources CS 247 CD) und Manon-Liu Winter („Form & Material“ Creative Sources CD 254 CD) zusammen. Hier ist es zu aller erst einmal der Unterschied der erzeugten Klänge, der gefangen nimmt. Die geblasene, Luft zirkulierende Linie auf der einen Seite und der geschlagene, eher Takt gebende Ton auf der anderen. Das Reagieren auf ein individualisiertes klangliches Geschehen jenseits einer Partitur birgt vor allem eines: Ein Gefühl für und ein Zulassen von Freiheit. Martin Pfleiderer nannte die freie Improvisation einmal „spontanes Handeln unter riskanten Umständen“. Ob nun im vorliegenden Fall der Spiel- und zugleich Aufnahmeort „riskant“ ist, bleibt zu bezweifeln. Sämtliche Aufnahmen sind „live“ in Schindlers Haus in Krailling bei München entstanden.

Insofern ein Heimspiel des Holzbläsers. Mit riskant sind dann doch eher die Persönlichkeiten der „Mitspieler“ gemeint, die sich vorsichtig abtasten, sich klanglich hinterfragen, vielleicht auch für eine kurze Zeit übereinstimmende Wege gehen. Obwohl das letztendlich nicht das Ziel ihres Tuns ist.

Vielleicht eher das Ausblenden jeglicher rationaler Kontrollinstanzen.

Jazzpodium 4/2016 (Jörg Konrad)

 

Agora, dois duos com a participação de Udo Schindler, multi-instrumentista germânico que vem dando particular atenção às variantes baixo e contrabaixo do clarinete, mas também utiliza o saxofone soprano e, em “Empty Pigenhole”, a corneta. No primeiro caso, o do disco referido, ouvimo-lo com a pianista Elisabeth Harnik e no segundo, “Sounding Dialectis”, com o saxofonista alto e também um dos grandes cultores do clarinete baixo na actualidade, Frank Gratkowski. As companhias determinam-lhe os rumos tomados… Com Harnik faz pensar num Braxton de sonoridade rude, sem a influência cool/West Coast admitida por este, mas com a mesma dualidade referencial no jazz e na música clássica do século XX. Com Gratkowski é bem menos cerebral, chegando a uma espécie de animalismo sónico que antecede a própria musicalidade.
Ainda pouco conhecida neste lado da Europa, Elisabeth Harnik é, como Sophie Agnel e Eve Risser, uma cultora do piano preparado e da exploração directa das cordas. A construção de texturas abstractas é, manifestamente, a sua praia, e a esse nível será inclusive bastante menos convencional do que o seu parceiro – se bem que este aplique igualmente técnicas pouco usuais. Quanto a Frank Gratkowski, trata-se de um dos mais cativantes palhetistas aparecidos em cena no Velho Continente nesta última década, autor de um jazz pós-cubista, pós-surrealista e pós-Fluxus que é um enigma para a mente, mas só depois de nos atingir o estômago. Subtilmente, pois está muito, muito longe das lógicas brutalistas de um Brotzmann… Rui Eduardo Paes (Jazz.pt)