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Schindler | Müller | Geisse

Quiet Notes and The Fascination of What’s Complex

Creative Sources Recordings cs 399CD

 

CD1

Matthias Müller & Udo Schindler – Quiet Notes

Udo Schindler            bass clarinet, soprano saxophone

Matthias Müller           trombone

CD2

Matthias Müller, Udo Schindler, Gunnar Geisse – The Fascination of What’s Complex

Udo Schindler            bass clarinet, soprano saxophone, cornet

Matthias Müller           trombone

Gunnar Geisse           laptop guitar

 

LINERNOTES BY Udo Schindler

Quiet Notes and Fascination                                    Quiet Notes and Fascination

Stoisch im Klangorkan der VIER                                 A stoic in the sonic hurricane of the FOUR

(Edwards, Sanders, Schubert, Müller)                        (Edwards, Sanders, Schubert, Müller),

Luft modellierend, unbeirrbar –                                    modelling air, imperturbable –

                MM in Sibiu (Rumänien).                              MM in Sibiu (Romania).

Swingfrei und geräuschhaft auf der                             swingfree and noise-like on the

XXL-Trichter-Posaune                                                  XXL funnel trombone.

Der erste Live-Höreindruck,                                         The first aural impression live,

so anders als einhundert                                              so different from a hundred

Improvisations-Zweierbegegnungen                             improv one-on-one encounters,

und höchst individuell                                                   highly individual

eine besondere Herausforderung                                and a special challenge.

‚Eingespieltes’ infrage stellen                                       Well attuned questioning

als Trio mit Clayton Thomas in Berlin –                         as a trio with Clayton Thomas in Berlin –

                               prima!                                                                                 great!

Der 55.Salon als Klanglabor im Duo?                          The 55th Salon as a duo sound lab?

Abwägen des Instrumentenfundus,                              Weighing the instrumental arsenal,

das Finden der Sprache der Ruhe,                              finding the language of calm,

der Präsenz und Abgeklärtheit,                                    the presence of serenity,

der Leichtigkeit und Zerbrechlichkeit,                           the ease and fragility,

ziselierte Luftwirbel.                                                      the whittling of wirls into air.

Ein Kosmos des Subtilen für ZWEI –                              A cosmos of subtlety for TWO –

                               wunderbar!                                                                      marvelous!

Immer überraschend, anarchisch,

intervenierend.                                                              Always surprising, anarchic, intervening.

Elektronische Partikel gebündelt und geformt,              Electronic particles focused and formed,

ein unerschrockener Soundabenteurer,                        an intrepid sound adventurer,

mit GG von Duo bis Ensemble,                                      alongside GG from duo to ensemble,

spielen im imaginären Orchester                                   playing in an imaginary orchestra

oder im Duo mit dir selbst.                                             or in a dialog with yourself.

Eine Belebung der Sinne,                                             A stimulation of the senses,

Ballast über Bord werfen –                                            ballast thrown overboard –

drei Solitäre,                                                                 THREE solitary figures,

mit Leidenschaft zu neuen Ufern.                                  striving for new frontiers.

ARS MUSICA, SALVE!                                                   ARS MUSICA, SALVE!

 

 

für Gunnar & Matthias                                                for Gunnar & Matthias

 

Reviews

Mit Quiet Notes and The Fascination of What’s Complex (cs 399, 2 x CD) sind wir einesteils beim 55. Salon, der UDO SCHINDLER am 30.5.2015 mit dem Posaunisten MATTHIAS MÜLLER zusammenführte, und anderteils am Tag danach bei ihrem ars musica-Auftritt in München, zu dritt mit GUNNAR GEISSE an Laptop-Gitarre. Müller, der zuletzt öfters CocoRosie spielte bei Robert Wilsons „Peter Pan“ am Berliner Ensemble und sich umtriebig zeigt mit Absolutely Sweet Marie, dem Foils Quartet und diversen Dates in allen Berliner Impro-Ecken, fand gleich auch zum Ton in Ton mit Schindlers Bassklarinette und dann auch Sopranosax. Possierliches auskostend, Pomadiges im Keim zerstörend mit schmatzender Säure. Schnell einigen sich die beiden auf Extented Techniques in extremer Art Brut-Virtuosität, auf schmurgelgurr und schlabberschlürf, röchelknör und zirpelfauch, brodelkeuch und schillertrill. Man muss manchmal genau hinhören für’s Who’s Schind- und Who’s Müll- und die Kontraste von tonlos bis blörrend, von zirbrichlich bis morrend, von Rost im Rohr und Groll im Mund. Tiefschürfend ist dafür kein Ausdruck. Wobei gerade die Bassklarinette auch auf pikkolo macht und die Posaune sich so durchscheinend dünn wie ein fadenscheiniges Nachtgespenst. Und dann tuten sie auf einmal so konsonant, als hätten sie’s geprobt. Mit dem Go Guitar-Mann Geisse und dessen Spannweite vom solistisch-cyborgianischen „AtƎM“ bis zum ICI Ensemble, nimmt das eine Wendung in ein bizarres Ambiente. Dunkel und knurrig gewebt, aber auch von feinen Bläschen durchsprudelt, zeigt Geisse darin einen erratischen Aktionsradius, teils als anderer Hans Tammen in allen Gassen, größerenteils so mysteriös, dass er die Tröter völlig auf- und umeinander scheucht, bis sie sich in feinen Gespinsten halbwegs in Sicherheit wiegen. Prompt plonkt und plinkt er derart krumme Töne und lässt sie elektronisch schnurren, kaskadieren und hängen oder sogar bruitistisch mutieren, dass die Bläser in Dauererregung verfallen, in Wellengekräusel, oder sich wieder verstecken, in einer leisen Schmauchspur, zitternd und fiepend. Wenn dann noch neutönerische Operndramatik aus dem Laptop sprudelt und eigenartigste Percussion, kippt das endgültig über den Improhorizont. Neverland ist fad dagegen. [BA 93 rbd]

 

Klang als Ursubstanz |

Neue CDs von und mit Udo Schindler 

München, 11.08.2017 | Udo Schindler ist hauptberuflich Architekt, aber mit mindestens ebenso viel Passion ein mutiger musikalischer Grenzgänger, vor allem auf Klarinetten aller Couleur und dem Kornett. Und wes andere ständig in die Welt hinauszieht, liebt er die produktive Einheit aus eigenem Lebensmittelpunkt und kreativer Wirkungsstätte in seinem Haus in Krailling bei München. Auch viele improvisierende Musikerinnen und Musiker aus NRW, zum Beispiel Ute Völker oder Erhardt Hirth zog es schon nach Süddeutschland, um zusammen mit dem Hausherren in den „Salons für Klang und Kunst“ vor einem sensibilisierten Publikum aufzuspielen. In jedem Fall ist der Veranstalter dieser überregional vielgefragten Reihe ein einfühlsamer Duopartner. Oft sind die Begegnungen völlig adhoc – und werden regelmäßig auf liebevoll (meist auf dem Eigenlabel Arch-Musik) produzierten CDs verewigt.

Udo Schindler beruft sich gerne auf ein Postulat von Giacinto Scelsi, der die unmittelbare Physis eines undomestizierten Klanges zum Ansatzpunkt nimmt, während alle „Musik“, sprich sämtliche menschen-geschaffene Ordnungssysteme des Tonmaterials nur sekundäres Konstrukt sind. Dieses Prinzip von Grund auf verinnerlichend, haben Schindler und seine ständig wechselnden Spielpartner eine vielgestaltige Kommunikationskultur geschaffen.

Quiet Notes and the Fascination of What`s Complex“ …. dieser Titel bringt einmal mehr programmatisch auf den Punkt, worum es Schindler in seinem heimischen Klanglabor mit seinem nie versiegenden Strom aus neuen spannenden Gästen und Spielpartnern geht – um Stille, um bewusstes Nicht-Spielen, also allem ums aktive Zuhören. Bei Matthias Müller, Posaune, Gunnar Geisse, Laptopguitar und eben Udo Schindler geht es rezitativisch zur Sache, mit weitgespannten, oft trickreich gegeneinander gesetzten Linien, spannenden Kontrasten zwischen Holz und Blech – aber doch einem vorhanden starken Konsens der Ausdrucksmöglichkeiten.

NRW_JAZZ & Jazzzeitung – Stefan Pieper

 

Dowód drugi. Quiet Notes And The Fascination Of What’s Complex

Pozostajemy na półce ze świeżymi, tegorocznymi wydawnictwami. Dwa koncerty, jakie miały miejsce dzień po dniu, pod koniec maja 2015r. Jesteśmy w Monachium, imprezy kulturalno-oświatowe są dwie, a materiał zarejestrowany w ich trakcie trafi na dwa dyski jednego wydawnictwa, które nazwane zostaną Quiet Notes And The Fascination Of What’s Complex (Creative Sources, 2017). 29 maja Matthias gra w trio, dzień później w duecie. Na płycie muzykę z tych incydentów zaprezentowano w odwróconej kolejności. Wnikliwa analiza Pana Redaktora dowodzi, iż uczyniono słusznie, umieszczając na dysku pierwszym materiał nieporównywalnie ciekawszy artystycznie.

Zacznijmy od Cichych Notatek. Na scenie jesteśmy zatem dzień później, a wraz z nami Matthias Müller na puzonie oraz Udo Schindler na klarnecie basowym i saksofonie sopranowym. Panowie będą swobodnie improwizować (choć epitet muzyka skomponowana pojawia się pismem drukowanym) w trzech odcinkach, oznaczonych zmyślnymi tytułami, których odsłuch nie zajmie nam więcej niż 39 minut.

Pierwszy. Na początek bardzo rozdyskutowana, ale spokojna narracja dwóch skorych do kompromisów dęciaków. Muzycy podążają w dość rytmicznym szyku, pozostając na skraju sonorystycznych incydentów. Idea tego przedsięwzięcia była chyba odrobinę przegadana przed występem (takie przynajmniej wrażenie odnosi recenzent). Po stylowej introdukcji, puzon tętni na sucho, czemu towarzyszą drobne, imitacyjne zachowania klarnetu basowego (ale iskry lecą!). Pojękiwania i techniczne fajerwerki są udziałem głównie Matthiasa, ale Udo też nie chce być mniej wyrazisty w tej kwestii. Puzon intonuje burzę piaskową. Muzycy brną przez improwizację bez specjalnych eskalacji napięcia. Estetycznie bliżej im nawet do ciszy i ekstremalnego skupienia. Drugi. Puzon atakuje wysokim dźwiękiem (jakaś przystawka, a może czegoś brak?), by za moment przejść do strefy szmerów i korpulentnych przedechów. Saksofon sopranowy kwili nieco przepraszającym tonem, ale jest precyzyjny i akustycznie adekwatny. Puzon potrafi imitować szczoteczki drummera. Sopran w tej kwestii nie ma zdania. Narracja znów wchodzi w stadium ożywionej dyskusji, niebanalnej wymiany zdań na dowolne tematy. Erudyci! Tu każde słowo ma trochę inny smak, a każdy dźwięk zdaje się być artystycznym argumentem nie do odparcia. Im bardziej muzycy stają się spokojni, tym bardziej poziom entuzjazmu recenzenta rośnie. Trzeci. Powraca klarnet basowy. Udo i Matthias prowadzą nieco niedźwiedzią pogawędkę. Dmą, burczą i klekoczą. Ten pierwszy pokazuje, że i on podręcznik technik artykulacyjnych przeczytał ze zrozumieniem (sonorystyka kropelkowa). Nie brakuje drobnych repetycji i chwil zadumy. Puzon ponownie jest suchy jak osiemnastowieczny parowóz. Znów krok w kierunku ciszy zdaje się być mistrzowskim posunięciem muzyków. Dwa akustycznie subtelne kocury na niezobowiązującym polowaniu. Gdy odzywają się głośniej, każdy z nich ma własny punkt widzenia (odrębna polityka brzmienia!) i nie zawsze kompromis jest jedynym rozwiązaniem. Gdy sytuacja sceniczna tego wymaga, potrafią wszakże w mgnieniu oka łapać wspólny język. Jeśli klarnet basowy proponuje głęboko zaszytą melodykę, puzon – w komentarzu – ucieka w skowyt, wieńczony akustycznym dygotem. Finałowa dynamizacja dodatkowo uwypukla jakość tego duetu. Matthias wręcz płonie z emocji (what a game!).

Teraz cofamy się w czasie o 24 godziny. Fascynacja Skomplikowanym. To tytuł spotkania. Do Matthiasa i Udo (ten chwyci także za kornet) dołącza Gunnar Geisse na laptopowej gitarze (cytuję za okładką). Panowie zagrają bardzo swobodną improwizację w jednym ciągu dźwiękowym, która potrwa 55 minut.

Gitara, wetknięta do laptopa od pierwszej sekundy tego koncertu, zawłaszcza lwią część przestrzeni akustycznej. Absorbuje uwagę, ale czy sprawia radość? Dęciaki okopane na przeciwległych flankach, zmuszone są do walki o przetrwanie i ustawicznie przypominanie o swoim istnieniu. Ich incydenty sonorystyczne giną w sosie elektroakustycznym, generowanym przez gitarzystę. Jeśli celem tego ostatniego jest psychodeliczny zaśpiew, puzon i kornet mają parę chwil dla siebie i pięknie kooperują. Gdy rockowe ornamenty i niekontrolowane przestery (w odczuciu nieco skonfudowanego recenzenta) biorą górę, dęciakom pozostaje taplać się w ciszy. Choć z drugiej strony, w momentach eskalacji natężenia dźwięków, jeśli pojawia się choćby odrobina kooperacji na linii skrzydła – centrum, muzyka znacznie zyskuje na wartości. Gdy jednak hardelectronic zaczyna dominować, Geisse zostaje na scenie sam, w obliczu osobistego przerostu kreacji. Jeśli tylko dęciaki zyskają nieco przestrzeni, płyną uroczo i zdolne są do podejmowania prób nawiązania dialogu z gitarą (niestety bez wzajemności). Tak dzieje się, choćby w środkowej części tej zbyt długiej improwizacji (z kajetu recenzenta: puzon i saksofon uwolnione ze szponów gitary i laptopa, dzień później dadzą wyśmienity koncert – ale o tym czytaliście już dwa akapity wyżej). Po 45 minucie muzyka trzech instrumentalistów delikatnie zaczyna się zazębiać, ale to znów skrzydła dostosowują się do dyrektyw z centrum. Następujące tuż potem eksperymenty w estetyce drum&bass recenzent pozostawia bez komentarza. Podobnie, jak finalizujące tę płyty sample z laptopa, które przypominają przegląd zawartości twardego dysku zagubionego artystycznie gitarzysty. Im bardziej recenzent zagłębia się w niuanse tego fragmentu dwupłytowego wydawnictwa, tym bardziej docenia i tęskni za krążkiem numer jeden.

Zweiter Beweis. Quiet Notes And The Fascination Of What’s Complex

Bleiben wir beim Regal mit frischen, diesjährigen Publikationen. Zwei Konzerte, die an nacheinander folgenden Tagen stattgefunden haben, gegen Ende Mai 2015. Wir sind in München, es sind zwei kulturelle Veranstaltungen, und das in ihrem Zusammenhang angemeldete Material betrifft zwei CDs von einem Label, die Quiet Notes and The Fascination Of What’s Complex (Creative Sources, 2017) benannt wurden. Am 29. Mai spielt Matthias (Müller) im Trio, einen Tag später im Duo. Auf der Platte wurde die Musik aus diesen Gründen in umgekehrter Reihenfolge präsentiert. Die sorgfältige Analyse des Herrn Redakteurs beweist, dass man gut daran tat, das künstlerisch unvergleichlich interessantere Material auf der CD zuerst zu platzieren.

Beginnen wir mit den Stillen Notizen. Auf der Bühne sind wir also einen Tag später, und mit uns Matthias Müller an der Posaune sowie Udo Schindler an der Bassklarinette und am Sopransaxophon. Die Herren werden frei improvisieren und zwar in drei mit klugen Titeln versehenen Abschnitten, deren Abhören uns nicht mehr als 39 Minuten in Anspruch nehmen wird.

Erster [Abschnitt]. Für den Anfang eine weitgehend ausdiskutierte, aber ruhige Erzählung zweier kompromissbereiter Spieler. Die Musiker folgen in einem ziemlich rhythmischen Stil und bleiben am Rande der klanglichen Ereignisse. Die Idee dieses Unternehmens wurde wohl ein wenig vor der Aufführung verabredet (den Eindruck hat zumindest der Rezensent). Nach einer stilvollen Einleitung wimmelt die Posaune trocken, begleitet von zierlichen, nachahmenden Verhaltensweisen der Bassklarinette (aber Funken fliegen!). Stöhnen und technische Feuerwerke sind die Hauptabteilung von Matthias, doch Udo will dahingehend nicht weniger ausdrucksvoll sein. Die Posaune stimmt einen Sandsturm an. Die Musiker waten durch die Improvisation ohne besondere Spannungsausbrüche. Ästhetisch liegt ihnen sogar die Stille und extreme Konzentration näher.

Zweiter [Abschnitt]. Die Posaune greift mit hohem Ton an (irgendeine Vorspeise, oder fehlt vielleicht etwas?), um im nächsten Moment in murmelnde Sphären und korpulente Spielvarianten überzugehen. Das Sopransaxophon wimmert mit ein wenig sich entschuldigendem Ton, aber ist präzise und akustisch adäquat. Die Posaune kann Drummer-Besen nachahmen. Sopran hat in diesem Punkt nichts zu sagen. Die Erzählung geht wieder in die Phase der lebhaften Diskussion über, alles andere als banalen Wortwechsel über jedes Thema. Ihr Gebildeten! Hier schmeckt jedes Wort etwas anders, und jeder Ton scheint ein künstlerisches Argument zu sein, dem man nicht widerstehen kann. Je ruhiger die Musiker werden, umso stärker wächst der Level der Begeisterung des Rezensenten.

Dritter [Abschnitt]. Die Bassklarinette kehrt zurück. Udo und Matthias halten ein leichtes Schwätzchen. Sie blasen, brummen und klappern. Der erste zeigt, dass er auch das Handbuch der Artikulationstechniken (tropfende Klänge) gelesen und verstanden hat. Nie fehlt es an kleinen Wiederholung und Momenten des Nachdenklichen. Die Posaune ist wieder trocken wie eine Dampflokomotive aus dem 18. Jahrhundert. Wieder erscheint ein Schritt in Richtung Stille als ein meisterhafter Zug der Musiker. Zwei akustisch subtile Kater auf einer unverbindlichen Jagd. Wenn sie sich lauter äußern, hat jeder seinen eigenen Standpunkt (ausgesprochene Klangpolitik!) und nicht immer ist ein Kompromiss die einzige Lösung. Wenn das Szenarium es verlangt, vermögen sie jedoch im Handumdrehen eine gemeinsame Sprache aufzugreifen. Wenn die Bassklarinette eine tief sitzende Melodie vorschlägt, entkommt die Posaune – im Kommentar – ins Jammern, mit akustischem Zittern gekrönt. Das finale Dynamisieren unterstreicht zusätzlich die Qualität dieses Duos. Matthias brennt vor Emotion (what a game!).

Jetzt gehen wir zeitlich um 24 Stunden zurück. Faszination des Komplexen. Dies ist der Titel der Begegnung. Matthias und Udo (der greift auch zum Kornett) schließt sich Gunnar Geisse auf einer Laptop-Gitarre (ich zitiere vom Cover) an. Die Herren spielen eine sehr freie Improvisation in einem tönenden Zug, der 55 Minuten dauert.

Die Gitarre, von der ersten Sekunde dieses Konzertes an im Laptop eingesteckt, eignet sich den Löwenanteil des akustischen Raumes an. Saugt die Aufmerksamkeit auf, aber bereitet das Freude? Bläser, auf den sich gegenüberliegenden Flanken am Werk, sind gezwungen, ums Überleben zu kämpfen und fürs unentwegte Erinnern ihrer Existenz. Ihre sonoristischen Ereignisse gehen in der elektroakustischen Sauce verloren, die vom Gitarristen erzeugt wird. Wenn der Zweck des Letzteren psychedelischer Gesang ist, haben Posaune und Kornett ein paar Momente für sich selbst und arbeiten schön zusammen. Wenn die rockigen Ornamente und unkontrollierten Läufe (nach dem Empfinden eines etwas verwirrten Rezensenten) die Spitzen nehmen, verbleibt es den Bläsern, in der Stille zu waten. Obwohl auf der anderen Seite, in den Momenten der Eskalation der Intensität der Bläserklänge, wenn sogar eine kleine Kooperation auf der Linie des Mittelflügels aufscheint, gewinnt die Musik bedeutend an Wert. Aber wenn hardelectronic anfängt zu dominieren, bleibt Geisse allein auf der Bühne, in Angesicht der persönlichen kreativen Wucherung. Wenn die Bläser nur ein bisschen Freiraum bekommen, schwimmen sie anmutig und sind in der Lage, Versuche zu unternehmen, dialogisierende Verbindungen mit der Gitarre einzugehen (leider ohne Gegen-seitigkeit). Dies geschieht, wie als Mittelteil dieser ziemlich langen Improvisation (aus dem Notizheft des Rezensenten: Posaune und Saxophon, befreit aus den Klauen der Gitarre und des Laptops, geben einen Tag später ein hervorragendes Konzert – aber das habt ihr schon zwei Absätze höher gelesen). Nach der 45. Minute beginnt die Musik der drei Instrumentalisten, vorsichtig ineinander zu greifen, aber wieder passen sich die Flügel den Vorgaben des Zentrums an. Die unmittelbar nachfolgenden Experimente in der Drum&Bass-Ästhetik lässt der Rezensent unkommentiert. So auch die die Platte beendenden Samples vom Laptop, die an eine Durchsicht der Inhalte der Festplatte des künstlerisch verlorenen Gitarristen erinnern. Je weiter sich der Rezensent in die Nuancen dieses Fragments der Doppelplattenveröffentlichung vertieft, desto mehr schätzt er sie und vermisst die Platte Nummer eins.

http://spontaneousmusictribune.blogspot.de, Übersetzung: Reinhard Palmer

 

 

Human endeavors are built on cooperation and interaction. While the lone genius is celebrated few things are ever accomplished unless that person shares his or her ideas with others. It’s the same with (improvised) music. With very few exceptions the most profound creations are the result of small group collaborations. And as a rule of thumb the more players involved – up to about five – the better the outcome. That’s how this two-CD set evolves. Although Quiet Notes, matching the bass clarinet, soprano saxophone, cornet of Kralling-based Udo Schindler with trombonist Matthias Müller from Berlin offers three fine instances of in-the-moment, instantaneously reactive improvisations, it’s exceeded by the nearly hour-long program which adds the guitar and electronics of Munich-based Gunnar Geisse to the mix. Not only does the performance, recorded the following day, validate the horn players increased comfort with each others’ idea, but the addition of a third element allows each person’s contributions a better display.

      Schindler, who has matched wits with any number of German and international musicians and Müller, often found in the company of saxophonist Frank Paul Schubert, are decades apart in age but share similar interest in timbral investigation. Contrapuntally their tongue and mouth jujitsu involves tones that range from growls to squeaks, plus air strained so thinly through body tubes and bells that it nearly disappears, or expressed with such ample force that it’s the equivalent of a dirigible inflating. Pauses, pecks, sniffs and digs are part of this duet, with Müller more likely to reveal expected slide-affiliated identities than Schindler, who works with common tropes from his reed collection. By the final “Starting a Risky Journey”, Müller distinctively shakes out gutbucket slurs and plunger growls which almost define traditional trombone story telling. In contrast Schindler’s improvising becomes more abstract, sliming his lines and tonguing out contralto bites. Both hold onto tones as long as possible before they finally shatter. Eventually though, bubbly brass notes and reed squeaks coalesce into tandem cries that connect without diminishing individual sound paths.

Geisse, who has worked with associates ranging from Vinko Globokar to Barry Guy, judiciously manipulates his table-top guitar so that it adds not one but two additional textures to the trio improvisation. Besides flanges, twangs and picking that emanate from guitar strings, oscillating wave forms and crackling drones that roam across the performances background make their presence felt. Wavering shills and puffs from the reedist and snarling yaps and blurts from the trombonist coupled with slurred guitar fingering protrude, as polyphonic processing provides a steady base. Additionally there are instances where it appears that Geisse wants to play both folk and Metal licks, forcing the horns to trifle with conventional call-and-response. By the mid-point, with bolstered electronic processing taking up space, Schindler’s and Müller’s mouse-like squeaks almost disappear. Taking a cue from the guitarist’s subsequent knife-like string slashes, the two combine and inflate tones. From that point on, until the finale, the piece explodes into a multiphonic showcase. Geisse triggers a collection of processed vocal choir and orchestral samples complete with bell-pealing, so that the climax features the three asserting themselves and defining the themes as timbres fade. The second CD is a notable instance of what three experienced improvisers can accomplish without preconceptions in real time. Plus the duo tracks aren’t bad either.

            Menschliche Bestrebungen bauen auf Kooperation und Interaktion. Zwar rühmt man das einsame Genie, doch ohne Austausch von Ideen lässt sich kaum etwas vollbringen. Das gilt auch für die (improvisierte) Musik. Mit ganz wenigen Ausnahmen resultieren die tiefgründigsten Schöpfungen in diesem Bereich aus der Zusammenarbeit kleiner Gruppen. Und je mehr Beteiligte – bis zu fünf – desto besser in der Regel das Ergebnis. So auch zu beobachten an diesem CD-Set. Obwohl der erste Teil Quiet Notes mit der Begegnung zwischen dem Bassklarinettisten, Sopransaxofonisten und Kornettisten Udo Schindler aus Krailling und dem Posaunisten Matthias Müller aus Berlin drei ausgezeichnete Beispiele einer aus dem Augenblick entstehenden und reagierenden Improvisationskunst bietet, wird er noch übertroffen von dem fast einstündigen zweiten Teil The Fascination of What’s Complex, auf dem zusätzlich der Gitarrist und Elektroniker Gunnar Geisse aus München zu hören ist. Die am Folgetag aufgenommene Performance belegt nicht nur die wachsende Vertrautheit der Bläser mit den Ideen des jeweils anderen, sondern bringt durch die Hinzunahme einer dritten Stimme die Beiträge der Mitwirkenden auch besser zur Geltung.

Schindler, der auf zahllose Begegnungen mit internationalen Musikern zurückblickt, und Müller, der oft in der Gesellschaft des Saxofonisten Frank Paul Schubert zu finden ist, teilen trotz des großen Altersunterschieds ein Interesse an der Erforschung von Klangfarben. Kontrapunktisch setzen sie in ihrem Mund- und Zungen-Jiu-Jitsu Töne gegeneinander, die vom Knurren bis hin zum Quietschen und von einem fast versiegenden Hauchen durch Röhren und Trichter bis hin zu kraftvollen, nach Luftschiffantrieb klingenden Eruptionen reichen. Schweigen, Schnalzen, Schniefen und Sticheln gehören zum Repertoire dieses Duos, wobei Müller wie zu erwarten eher auf Slideformen zurückgreift, während Schindler die speziellen Ausdrucksformen seiner Reedinstrumente nutzt. Beim abschließenden „Starting a Risky Journey“ angelangt, schüttelt Müller lang gezogene Waschwannenklänge und geknurrte Dämpferlaute aus dem Ärmel, die sich dem traditionellen Geschichtenerzählen auf der Posaune annähern. Im Gegensatz dazu wird Schindlers Improvisieren mit verschmierten Linien und Ausflügen in hohe Regionen abstrakter. Beide halten die Töne so lange wie möglich, bis sie schließlich zersplittern. Am Ende jedoch verschmelzen sprudelnde Blechtöne und Rohrblattquäken zu einem Chor von Schreien, ohne dass die individuellen Ansätze verblassen.

Geisse, der schon mit den verschiedensten Partnern wie Vinko Globokar oder Barry Guy gespielt hat, weiß seine Tabletop-Gitarre so einzusetzen, dass sie nicht nur eine, sondern zwei Texturen in das Gesamtgeschehen einführt. Neben Flange-, Twang- und Zupfeffekten der Gitarrensaiten durchschwirren oszillierende Wellenformen und knisternde Drones den Hintergrund der Performance. Schillernde Anreißer und Prustlaute des Holzbläsers sowie Fauchen und Plärren des Posaunisten verbinden sich auf dem festen Fundament polyphoner Soundverarbeitung mit gedehnten Gitarrenklängen. In manchen Fällen will Geisse anscheinend sowohl Folk- als auch Metal-Phrasen spielen und zwingt die Bläser dadurch zu Ansätzen eines konventionellen Call and Response. Zur Mitte hin nimmt das elektronische Processing mehr Raum ein und das mausartige Quieken von Schindler und Müller verschwindet fast. Inspiriert durch die folgenden messerscharfen Schläge des Gitarristen, schwingen sich die beiden gemeinsam zu volleren Tönen auf. Ab da bis zum Finale explodiert das Stück geradezu in einem multiphonischen Feuerwerk. Der Höhepunkt, für den Geisse eine Sammlung von elektronisch verfremdeten Chor- und Orchesterstimmen samt Glockenläuten auffährt, ist geprägt von starken Einzelstimmen und deutlichen Themen, die die Klangfarben zurücktreten lassen. Die zweite CD ist ein bemerkenswertes Beispiel dafür, was drei erfahrene Improvisatoren ohne Absprachen in Echtzeit erreichen können. Aber auch die Duoaufnahmen sind nicht zu verachten.       

Jazzword – Ken Waxman Dec.2017 / Übersetzung Friedrich Mader

 

 

29.12.2017