Giesriegl & Schindler

Sou/n/dages

Creative Sources Recordings cs319

Annette Giesriegl    voice

Udo Schindler           bass & contrabass clarinet, soprano saxophone, cornet

 

Linernotes

Annette Giesriegl and Udo Schindler had their first encounter as musicians on this occasion you hear recorded. Two souls who live a fair way apart geographically and are busy in their lives but for this moment in time were able to get together and make a music that speaks with both honesty and generosity. Two players who are giving their music to each other and who are able to exchange ideas and feelings that have an interplay which is both exploratory and dynamic.

 

Udo shapes his sounds on various instruments while Annette shapes her voice to flexibly reflect many of the properties of Udo’s instruments but not necessarily in that order. Musical ideas are made and shared so that both follow and lead each other. Some ideas are minuscule while others are extended phrases; whatever they are they are always meant as a contribution to the occasion and not ‘against’, so this is a meeting of minds and bodies that are there to make something together that is shared without antagonism or animosity.

 

Sound & Art is a translation of the title and for me this means music that not only includes but transcends pitch, harmony and melody. There is a more abstract and dynamic approach to the understanding of hearing music as shapes of sound, and as a result there is an almost palpable visual dimension to the music – so Art here is a word that can be understood in the broadest sense, and this is music that is also very broad in scope.

 

We have two musicians improvising for the first time, who have discovered a language that has many common threads of experience and history, and for the listener we hear this conversation unravel its own wonderful logic based around a lot of trust and some self confidence and as a consequence it is music that holds our attention from the first time it is played and from the first time it is heard.

Veryan Weston (UK)

 

Schlichtweg grossartig!

Chan – JazzLinks / 04.09.2015

 

Udos Duos

Neues von Udo Schindler

….

Von den neuen Releases erschienen jetzt je zwei CDs auf dem portugiesischen Label Creative Sources (creativesourcesrec.com) und auf den bayerischen Pilgrims of Sound (pilgrims-of-sound.com): Erstere halten die öffentlichen Momente mit der Vokalistin Annette Giesriegl und mit dem Saxofonisten und Klarinettisten Frank Gratkowski fest, die eine gewisse Namensverwandtschaft aufweisen: so(u)ndages betitelt Schindler die eine Aufnahme, sounding dialects die andere. Maßgeblich für den Sound im Getriebe sind sowohl Giesriegl als auch Gratkowski. Sie hantiert mit einem extremen Spektrum an Vokalismen, die nicht selten aus Elementen gesprochener Sprache sich zum klanglichen Ensemble zusammenfinden. Er schöpft aus einer schier unerschöpflichen Palette an ästhetischen Eruptionen, aus der er spielerisch-spontan die jeweils passenden Farben auswählt.

Andreas Fellinger-freistil #63

 

 

Elastische Architektur. Organische Montage. UDO SCHINDLER ist Architekt und

Musiker zugleich und könnte sich mit den seiner Klangbaumeisterei aufgepappten

Metaphern wohl einen kleinen Schuppen bauen. FRANK GRATKOWSKI ist eher so

etwas wie Pharaos Rache an der Architektur, ein Feststoffverflüssiger und

Statikbeschleuniger. Saxophonisten bauen nun mal mit Luftigem, Flüssigem und

Feurigem, allenfalls noch mit Quecksilbrigem, und was dabei entsteht, sind

Luftschlösser aus Da und Jetzt. Der Originalbau der Sounding Dialectics (CS 281)

genannten Illusion entstand am 22.2.2013 beim 33. Salon für Klang+Kunst in

Krailling, jenem Begegnungsraum, in dem Schindler Mal für Mal sein Ich mit einem

Du verbindet. Nähe suchend, aber auch Abstand. Um immer wieder Ähnlichkeiten

oder Differenzen zu entdecken und eines wie das andere auszukosten. Gratkowskis

Bassklarinette tritt er mit Sopranosax und einer zweiten Bassklarinette entgegen,

zum Altosaxsound seines Gastes mischt er Kontrabassklarinette und zuletzt

nochmal Sopranosax. Sind das, wie der Titel andeutet, dialektische Diskurse, um

Gegensätze aufzuheben und zu Verständnis und Wahrheit zu finden? Die Wechselspiele

von hellen und dunklen, schnellen und gedehnten, leisen oder lauten Klängen

brauchen Spielraum, keinen Überbau. Und spielerisch zeigen da eine geflügelte

Schlange und ein fliegender Fisch ihre verwandte Phantastik. Oder die zwei malen

in brummig und sonor gurrendem und girrendem Einklang ein 3D-Colorfield, das

Schattierungen von Braun auskostet, von Umbra bis Ocker und Beige, von Zimt und

Whiskey bis Rost und Sepia. Wenn Schindler dann runter ins Kontrabassextrem

knarrt und dort einen Groove ausgräbt, flötet ihm Gratkowski dazu eine

Altokalligrafie als das melancholische Wann-i-a-Vöglein-wär eines Maulwurfs. Oder

die beiden balzen schniefend, ploppend, züllend, schnarrend und trillernd, der eine

als der kontrabassmassive Platzhalter, der andere der altoflinke Herausforderer,

der den Rivalen singend an seine Grenzen bringt. Um im finalen ‚Similar‘ mit Plop

und Schmatz und Quäk doch jeden Gegensatz aufzuheben.

Mit den Vipergespinsten und dem ‚Partikeltanz‘ von SO { U } NDAGES (CS 319) sind wir

dann schon beim 50. Salon für Klang+Kunst am 28.11.014 und der Erstbegegnung

von UDO SCHINDLER mit ANNETTE GIESRIEGL. Die Vokalistin aus Graz ist Teil des

Barcode Quartets, Partnerin von Jay Clayton und Mia Zabelka und war auf Creative

Sources auch schon mit den Strings von Vistag zu hören. Dass Veryan Weston die

Linernotes schrieb, rührt daher, dass sie im The Vociferous Choir dessen „Different

Tessellations“ mit aufgeführt hat. Giesriegl flötdudeljodelt und glossolallt sich

selbst, nicht ganz ohne elektronische Gleitmittel, wie mir scheint. Schindler spielt

auf der Bassklarinette anfangs den Schatten zu ihrer Gratwanderung über

Zungenspitzen und gurgelnde Abgründe. Oder tanzt sopranistisch zu ihrer alpinen

Flatterzüngelei, die sich, grollend und keckernd, ins Unterirdische verlagert, wo

Giesriegl bei Frau Venus verbotenen Kitzel zu verspüren scheint. Auch bei ‚Halbluft

ins Segel‘ bleibt die Luft erotomanisch geschwängert. Wie da der Wildbach durchs

Höschen rauscht und ein Kornett Dirndl und Lederhose schwellt, das klingt wie die

überkandidelte Graf Porno-Version zu Meg Ryans Orgasmus in Katz’s Deli. Für die

unerhört und ungeniert intimen Kehllaute und das brünstige Röhren gilt freilich der

Klang+Kunstvorbehalt, was ja schon ein Titel wie ‚Coloured Wurfgeschoss‘ klar zum

Ausdruck bringt. Aber Kunst ist doch letztlich auch nur eine Gaudi der besonderen

Art und hier „in the broadest sense“ zu verstehen, wie Weston schreibt. Bei

‚Dronagen‘ beglückt Giesriegl als broad in the broadest sense noch mit

Obertonsirenengeheul und schlitzaugenzwinkernd komischer Mongoloiserie. Von

Krailling nach Pasing sind’s nur 10 Minuten, nach Tuva ein kleines Bisschen mehr.

Aber wer wollte weg? Hier spielt doch die Musik und bringt im Herbst 2015 noch

Schindler + Katharina Weber (#58) … + Erhard Hirt (#59) … + Maja Osojnik (#60) …

Bad Alchemy/ba87-Rigobert Dittmann

 

 

 

 

Trällern, fiepen, wimmern

Mit etwa 30 Besuchern ist der Raum komplett ausgelastet. Udo Schindler ist damit wohl einer der kleinsten Musikveranstalter in der Region – gehört aber zugleich zu den aktivsten. Nach nur fünf Jahren bereits zum 50. Salon einladen zu können, hätte nach den ersten Konzerten vor bisweilen drei Zuhörern kaum jemand prognostiziert. Schindlers musikalisches Können, seine entspannte Beharrlichkeit und zudem Koryphäen des Fachs als Gäste – etwa Sebastiano Tramontana (Posaune), Klaus Treuheit (Klavier), Gunter Pretzel (Viola), Harald Lillmeyer (Elektronik und Gitarren), Margarita Holzbauer (Violoncello und Viola da Gamba), Masako Ohta (Klavier) und viele mehr – sorgten dafür, dass sich der Salon dennoch etablieren konnte. In der weltweiten Szene der freien Ad-hoc-Improvisation kennt man den Kraillinger Salon. Die auf CDs verfügbaren hier entstandenen Mitschnitte finden insbesondere in der Fachpresse in den USA rege Beachtung.

Der mit einem Flügel ausgestattete Salon für Klang + Kunst im Privathaus des Architekten und Musikers ist eher so etwas wie ein offenes zweites Wohnzimmer, wo es so gut wie keine Distanz zwischen Musikern und Zuhörern gibt. Essen und Trinken folgt anschließend – selbstverständlich mit den Musikern, die dann noch etwas vom Insider-Wissen verraten. Und zu erfahren gibt es meistens recht viel, kommen hier doch gänzlich unkonventionelle Spieltechniken, Stimmakrobatik und sonstige akustische Effekte zum Zug, bei denen man bisweilen nicht einmal so recht weiß, wo sie gerade herkommen. Vokalisten sind bei Schindler eher selten zu Gast. So war im Jubiläumssalon der Besuch der international renommierten Vokalistin Annette Giesriegl aus Graz etwas ganz Besonderes. Schindler ließ sich an Sopransaxophon, Kornett, Bass- und imposanter Kontrabassklarinette pointiert auf das Spiel mit dem Atem ein, der ja Gesang und Blasinstrument verwandt macht. Giesriegl, die Vokaltechniken aus aller Welt erforscht und in London indischen Gesang studiert hatte, kam indes Schindler mit fremdartigen Klangvarianten entgegen. Insbesondere im Oberton- und Kehlkopfgesang stellte sich denn auch ein durchaus exotisch assoziierter Klangvariantenreichtum ein, durchsetzt von bisweilen emotional besetzten Äußerungen. Blubbern, gackern, weinerlich klagen, heiser röhren, brummen, trällern, fiepen, wimmern, bisweilen fragmentiert Sprache simulieren – das Vokabular und die Rhetorik von Giesriegl waren schier unerschöpflich, zumal auch der Wechsel zwischen stimmlosen und stimmhaften Varianten unzählige weitere Nuancen bereit hielt. Und wenn Schindler darauf imitatorisch antwortete, konnte es auch schon mal komisch wirken. Abenteuerlich war es allemal.

Süddeutsche Zeitung 01.12.2014 / Reinhard Palmer

 

 

Udo Schindlers Duos

Udo Schindler lebt und arbeitet im Münchner Umland. Am Tag als Architekt, des Nachts als Musiker? Nein, ganz so klar lassen sich seine beiden Tätigkeiten sicher nicht voneinander trennen. Das eine bereichert (fast zwangsläufig) das andere. Und umgekehrt. Arthur Schopenhauer wird in den abgedruckten Liner Notes der CD „Sounding Dialectis“ mit den Worten zitiert: „Architektur ist gefrorene Musik“. Zugleich ist ebene Schindler auch eine Art Klangarchitekt, der im doppelten Sinn Klangräume schafft und diese musikalisch zusammenbringt. Musik aus dem Augenblick – für die Ewigkeit. Ein Baumeister der Töne sozusagen, wobei er sich als Saxophonist, Klarinettist, Kornettbläser und vor allem als Duopartner präsentiert. Duoarbeit bedeutet für Schindler die spontane künstlerische Kommunikation im kleinsten gruppendynamischen Sektor…

Zum Schluß noch Udo Schindler im Duo mit der Stimmkünstlerin Annette Giesriegl aus Graz. „Ja ich wollte der Jazztradition nicht so recht folgen, weil ich mich nicht ausdrücklich dafür berufen fühlte“, sagte Annette Giesriegl vor zwei Jahren einem Musikmagazin, nachdem sie aber zuvor bei Andy Bey, Mark Murphy, Sheila Jordan und Jay Clayton Gesang studierte. Auf „so/u/ndages“ (Creative Sources CS319 CD) reduziert sie Wörter und Sätze auf die simple Lautgebung, ringt mit Vokalen, schleift sie, zerrt, gurgelt, rutscht ab in den Oberton- und Kehlkopfgesang und macht ganz einfach ihre Stimme zum Instrument. Von wegen “ganz einfach“! Schindler hält mit Bassklarinetten, Sopransaxophon und Kornett dagegen, schafft Gräben, aber auch viele Gemeinsamkeiten. An einigen Stellen fließen Stimme und Instrument ineinander, sind nicht mehr zu unterscheiden. Die Symbiose ist geschafft.

Jörg Konrad /Jazz Podium 3/16

 

 

SO{U}NDAGES Annette Giesriegl & Udo Schindler Creative Sources cs319 cd

J’avais reçu un paquet de cd’s Creative Sources  tellement copieux que je n’ai pu faire la chronique de toutes les choses vraiment remarquables dans les deux mois de leur réception. Donc, je me rattrape avec un duo voix – clarinettes des autrichiens Annette Giesriegl et Udo Schindler avec de nombreux mois de retard alors que Creative Sources a déjà produit des dizaines d’autres albums. Annette, sur la photo de pochette chante dans un micro et Udo embouche une clarinette contrebasse. On l’entend aussi à la clarinette basse, au sax soprano et au cornet. Il s’agit d’une première rencontre lors d’un concert au festival Klang & Kunst à Vienne en novembre 2014 et le cd contient son entièreté dans l’ordre où cette musique a été jouée. Il y a cinq pièces : la première de 6’ en guise d’échauffement (j’entends qu’au tout début la voix d’Annette n’est pas entièrement assurée). Ensuite trois longs développements (12 :48, 13 :53 et 10 :57) et un final de 5 :15.  Les excellentes notes de pochette sont rédigées par Veryan Weston avec qui la chanteuse a collaboré, il y a quelques années (Different Tessellations Emanem 5015). Comme le souligne Veryan Weston, Udo construit sa musique au départ des propriétés de chacun de ses instruments et Annette travaille le son de sa voix en se référant avec une vraie flexibilité aux propriétés sonores des instruments de son partenaire. Elle utilise tout l’éventail de ses nombreuses possibilités vocales en les développant de manière très intelligente par rapport au cheminement du souffleur, et l’imagination est vraiment le moteur de sa démarche. L’écoute profonde est au rendez-vous tout autant qu’une réelle indépendance de chacun par rapport à l’autre. Donc très peu de mimétisme premier degré et c’est au niveau des détails, des intentions, du second degré, et de la finesse que cette écoute est palpable. Certains supporters acharnés de la free-music se focalisent sur les artistes réputés / notoires parmi lesquels certains nous inondent d’albums qui ne nous apprennent plus grand chose (même si on adore). Peu essayent de prêter une oreille curieuse à des artistes quasi inconnus tels que le duo de SO{U}NDAGES. Même si Udo Schindler ne fait pas montre de virtuosité, il fait plus qu’assurer, inspirant la réelle fontaine vocale, intarissable d’idées neuves, qu’incarne Annette Giesriegl, celle-ci étant à la fois une véritable stratège et tacticienne sur la durée en offrant toute la gamme de ses phonèmes, vocalises, harmoniques, effets vocaux etc.. quasiment sans se répéter durant les trente-huit minutes du concert et en conservant une logique interne très précise et des timbres personnels. C’est avec la technique du chant diphonique que le concert se clôture et j’apprécie sa manière de faire varier cette approche vocale (il faut savoir le faire), ce qui, sans cela, serait un gimmick.

Quoi qu’on puisse dire « au niveau technique » (beaucoup croient que c’est facile de chanter « en délirant » *), on trouve dans cet album une qualité fondamentale : savoir gérer au mieux son bagage musical, sonore et l’improvisation au fil des secondes de manière que la musique fasse sens et que chaque moment renouvelle ce qui a déjà été dit. Un vrai plaisir !!

Jean Michel van Schoubourg / http://orynx-improvandsounds.blogspot.co.at/